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Anschläge auf Christen flammen weltweit auf


Bagdad/Abuja/Daressalam/Jakarta/Baku/Colombo/Islamabad (idea) – Nach einigen Monaten relativer Ruhe flammen Anschläge auf Kirchen und einzelne Christen in Teilen Afrikas, Asiens und des Mittleren Ostens wieder auf. Im Irak, in Nigeria und Tansania verübten vermutlich islamische Extremisten Übergriffe auf Christen. In Indonesien und Aserbeidschan sind evangelische Gemeinden von der Zwangsschließung bedroht. In Sri Lanka griffen militante Buddhisten einen Pastor an, und in Pakistan fürchten Christen Vergeltungsanschläge, nachdem drei Mörder eines Christen zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt wurden.

Irak: Koordinierte Angriffe auf Kirchen

In der nordirakischen Stadt Kirkuk explodierten am 2. August Bomben vor einer katholischen, einer anglikanischen und einer orthodoxen Kirche. Mindestens 23 Personen wurden verletzt. Nach Polizeiangaben handelte es sich offensichtlich um eine koordinierte Aktion. Erst Anfang Juni war eine neue Kirche in Kirkuk eröffnet worden. Dort versammeln sich etwa 300 Christen, die vor Anschlägen in anderen Regionen Iraks geflohen. Doch auch im Norden sei es für Christen lebensgefährlich, das Haus zu verlassen, obwohl sich die Lage in den vergangenen Monaten leicht verbessert habe, sagte der chaldäisch-katholische Erzbischof von Mossul, Amil Ahamaaoun Nona, dem Hilfswerk „Kirche in Not“ (München). Christen leben seit fast 2.000 Jahren im Irak. Inzwischen hat sich ihre Zahl dezimiert, weil viele vor Anschlägen geflohen sind. 1990 waren in dem Land mit heute rund 29 Millionen Einwohnern 1,4 Millionen Christen, jetzt sind es etwa 200.000.

Nigeria: Regierung will mit Terrorgruppe verhandeln

Im westafrikanischen Nigeria halten die religiösen Spannungen an. Das bevölkerungsreichste Land Afrikas bezeichnet sich als größtes gemischt christlich-muslimisches Land der Welt. 51 Prozent der 158 Millionen Einwohner sind Christen, 45 Prozent Muslime und die übrigen Anhänger von Naturreligionen. Die Christen leben vorwiegend im Süden, die Muslime zumeist im Norden. Extremisten wollen das islamische Religionsgesetz, die Scharia, überall durchsetzen; es gilt bereits in zwölf der 36 Bundesstaaten. Am letzten Juli-Wochenende explodierten in der zentralnigerianischen Stadt Jos (Bundesstaat Plateau) drei Bomben in der Nähe von drei evangelischen Kirchen. Niemand wurde getötet oder verletzt, doch aus Angst vor weiterer Gewalt blieben die meisten Christen den Gottesdiensten fern. Die Anschläge ereigneten sich in einer religiös gemischten Wohngegend und könnten sich auch gegen Vertreter eines gemäßigten Islam gerichtet haben. Erst am 10. Juli hatte ein Bombenanschlag auf eine christliche Missionsgemeinde in Suleja (Bundesstaat Niger) vier Tote und sieben Schwerverletzte gefordert. Die Verantwortung übernahm die muslimische Terrorgruppe Boko Haram. Die auch als „Taliban Nigerias“ bezeichnete Bewegung will einen islamischen Gottesstaat errichten. Die nigerianische Zentralregierung unter Präsident Goodluck Jonathan, einem Christen, hat Boko Haram Gespräche angeboten. Der siebenköpfigen Verhandlungskommission gehören der Verteidigungs- und der Arbeitsminister an. Doch die islamischen Extremisten haben bisher nicht auf das Angebot reagiert.

Sansibar: „Weg mit den Kirchen!“

Auch im ostafrikanischen Tansania flackern Übergriffe auf Christen auf. Zwei Pfingstgemeinden auf der Insel Sansibar wurden Ende Juli niedergebrannt und eine Adventistengemeinde auf der Nachbarinsel Pemba zerstört. Nach Angaben des Informationsdienstes Compass Direct stehen muslimische Extremisten hinter den Attacken. So hätten Angreifer gerufen: „Weg mit der Kirche! Wir wollen nicht, dass Ungläubige unsere Gemeinschaft verderben, besonders unsere Kinder.“ Von den 41 Millionen Einwohnern Tansanias sind nach Schätzungen jeweils 35 Prozent Anhänger von Naturreligionen und Muslime sowie etwa 30 Prozent Christen.

Indonesien: Gottesdienst auf der Straße

In Indonesien wird nach Angaben der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) eine evangelikale Gemeinde gezwungen, ihre Gottesdienste auf der Straße abzuhalten. Die Taman-Jasmin-Kirche in Bogor war vor einigen Monaten von den Behörden geschlossen worden. Obwohl das Oberste Gericht den Beschluss verworfen habe, bleibe das Gebäude versiegelt. In der Nachbarschaft leben muslimische Extremisten. Die Lage könne jederzeit in Gewalt umschlagen, so die WEA, die zum Gebet für Indonesien aufruft. Nach Einschätzung der Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen) ist die Religionsfreiheit in dem südostasiatischen Staat in akuter Gefahr. Angriffen muslimischer Extremisten seien vor allem Christen und Mitglieder der muslimischen Reformbewegung Ahmadiyya ausgesetzt. Sie wird von der Mehrheit der Sunniten als ketzerische Sekte angesehen. Von den 240 Millionen Einwohnern Indonesiens sind 80 Prozent Muslime; die Ahmadiyya-Bewegung hat rund 400.000 Anhänger. 16 Prozent der Bevölkerung sind Christen, zwei Prozent Hindus sowie jeweils ein Prozent Buddhisten und Angehörige von Stammesreligionen.

Sri Lanka: Buddhisten gegen Christen

Von buddhistischen Extremisten werden evangelikale Christen in Sri Lanka unter Druck gesetzt. Der Evangelischen Allianz des Landes zufolge griffen am 19. Juli etwa 50 Personen die Häuser von fünf christlichen Familien im Distrikt Badulla (Provinz Uva) an. Am 10. Juli sei ein Baptistenpastor körperlich attackiert worden, nachdem er eine Versammlung eines buddhistischen Mönches im Distrikt Amapara (Ost-Provinz) besucht hatte. Von den über 20 Millionen Einwohnern des Landes sind rund 70 Prozent Buddhisten, 14 Prozent Hindus, 8 Prozent Muslime und 8 Prozent Christen, überwiegend Katholiken. Die Evangelische Allianz repräsentiert mehr als 200.000 Evangelikale.

Aserbeidschan: Baptistenpastor bedroht

Im zentralasiatischen Aserbeidschan haben es vor allem jene Christen schwer, die keine staatliche Genehmigung für ihre Versammlungen bekommen. Der Baptistenpastor Pavel Byakov (Sumgait) habe von einem Richter verbale Drohungen erhalten, berichtet die Menschenrechtsorganisation Forum 18 (Oslo). Er soll die Versammlungen sofort einstellen. Rund 88 Prozent der rund 9,1 Millionen Einwohner Aserbeidschans sind Muslime, 9 Prozent Konfessionslose, 2,7 Prozent Christen – meist russisch-orthodoxe Kirchenmitglieder – sowie der Rest Anhänger kleinerer Religionsgruppen. Die 22 Baptistengemeinden haben rund 3.000 Mitglieder.

Pakistan: Christ gefoltert und erschlagen

In Pakistan sind drei Muslime wegen der Ermordung eines Christen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das entspreche dort 25 Jahren Freiheitsentzug, teil das Hilfswerk Open Doors (Kelkheim bei Frankfurt am Main) mit. Die Verurteilten Ghulam Rasool, Amjad Iqbal und Kashir Saleem müssen ferner umgerechnet 810 Euro an die Familie des Opfers zahlen. Der 36-jährige Christ Rasheed Masih war im März 2010 gefoltert und erschlagen worden, weil er sich geweigert hatte, zum Islam überzutreten. Ein vierter Tatverdächtiger, Muhammad Asif, wurde von dem Gericht in Mian Channu (Bezirk Khanewal) freigesprochen. Dagegen will das Europäische Zentrum für Gesetz und Justiz in Pakistan (Straßburg) Widerspruch beim Obersten Gerichtshof Pakistans einlegen. Laut Open Doors ist nach der Verurteilung der drei Angeklagten das Risiko von Vergeltung durch muslimische Extremisten hoch. Von den 174 Millionen Einwohnern Pakistans sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen, zwei Prozent Hindus und der Rest Sikhs, Buddhisten und Anhänger anderer Religionen.

In der nordirakischen Stadt Kirkuk explodierten am 2. August Bomben vor einer katholischen, einer anglikanischen und einer orthodoxen Kirche. Foto: PR

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