Einige Gedanken zu einem gar nicht so neuen Lehr-, Lern- und Lebensverständnis
Seit einiger Zeit läuft ein neudeutsches Schlagwort durch die Betriebe, Konzerne und Bildungseinrichtungen. Es lautet: „lifelong learning". Lebenslanges Lernen.
Für viele „schulgeschädigte" Mitarbeiter in den Betrieben, Werken und auch Missionsgesellschaften kommen dabei unangenehme Erinnerungen auf. So wird Fort- oder Weiterbildung nicht immer als Chance und Glück verstanden, sondern häufig auch als eine „verordnete Notwendigkeit", die einen von der „wirklich wichtigen Arbeit" fernhält.
Aus missiologischer Perspektive möchte ich mit einigen Gedanken über den „Lehrbefehl im Missionsbefehl" die Diskussion um „lifelong learning" ergänzen.
Jesus sagt zu seinen Jüngern am Ende des Matthäusevangeliums:
„Gehet hin, machet zu Jüngern alle Völker – und lehret sie alles zu halten, was ich euch befohlen habe" (Mt.28,20).
„lifelong learning" als Ausdruck der Hoffnung
Jesus hat seine Jünger zu einem letzten Treffen zusammen gerufen (V16). Jünger sein bedeutet: „Lehrling" werden, ein Lernender sein, in einen Prozess des Lernens eintreten.
Mit dem sogenannten Missionsbefehl entlässt Jesus seine Jünger am Ende der gemeinsamen Zeit auf der Erde nicht aus dem Prozess des Lernens. Sie sind und bleiben Jünger, Lernende. Der Auftrag: „Geht zu den Völkern, ladet Menschen ein Lernende zu werden" bedeutet eben nicht, dass „Petrus-Lerner", „Matthäus-Lerner" oder „Johannes-Lerner" herangebildet werden. Sondern egal aus welchem Volk, egal aus welcher Kultur: sie alle sollen Jesus-Lerner, Jesus Jünger werden.
Denn nach dem Neuen Testament bedeutet „Jünger sein": von einem Lehrer unterrichtet zu werden und wie dieser Lehrer zu werden. Ein Jünger Jesu ist einer, der von Jesus unterricht wird – und wie Jesus werden will.
Jesus gibt dieses Ausbildungsziel vor, wenn er in Lukas 6, 40 sagt: „Wenn der Jünger ausgelernt hat, wir er wie sein Lehrer sein"
Solch ein Bildungsziel liegt „Meilen weit weg" von unserer modernen Bildungsvorstellung:
Ausgelernt hat einer, der alles kann oder weiß, um die Prüfung zu meistern. In der Prüfung wird nicht gefragt: „Bist du jetzt wie dein Lehrer?" Eine erschreckende Vorstellung für viele Schüler/Studenten. Und selbst viele Lehrende würden solch einen Gedanken gerne von sich weisen.
Jesus gibt aber nicht das Bildungsziel aus: der Lernende wird alles wissen, was der Lehrer auch weiß, alles können, was der Lehrer auch kann. Sein Bildungsideal lautet: „sein wie der Lehrer!"
Paulus spricht später von der „Umgestaltung in das Bild Christi" (2.Ko.3,18). Hat ein Christ, selbst einer mit ausgeprägter Lehrgabe, diesen Umgestaltungsprozess schon längst abgeschlossen?
Jeder Christ war, ist und bleibt doch ein Lernender, nicht wahr?!
Lebenslanges lernen.
Und manches Mal ist es so bitter und erschreckend, wenn wir wieder zum Grundlagen- ABC zurückkommen müssen. Die „basics" (Neudeutsch) wieder üben.
Einerseits ist es erschreckend, wenn wir merken, wie schwer wir uns tun mit dem lernen. Andererseits bedeutet lebenslanges Lernen für uns als Christen auch: da tut sich noch was in meinem Leben, „da geht noch was", wie Jugendliche heute sagen. Ich will und darf noch mehr dem „Bild Christi" ähnlich werden.
Immer noch Lernenden zu sein bedeutet: ER hat noch Hoffnung für mich. Lifelong learning – für uns Christen ein Ausdruck der Hoffnung! Gemeinden, Hauskreise, Missionsteam, Theologische Ausbildungsstätten – überall „Lehr- und Lerngemeinschaften" – mit und auf Hoffnung hin.
Ob solch ein Gedanke uns Mut macht? Gehen wir das „Lifelong Learning" im eigenen Leben und in unseren Arbeitszusammenhängen positiv an.
Euer, Ihr
Traugott Hopp
Seit einiger Zeit läuft ein neudeutsches Schlagwort durch die Betriebe, Konzerne und Bildungseinrichtungen. Es lautet: „lifelong learning". Lebenslanges Lernen.
Für viele „schulgeschädigte" Mitarbeiter in den Betrieben, Werken und auch Missionsgesellschaften kommen dabei unangenehme Erinnerungen auf. So wird Fort- oder Weiterbildung nicht immer als Chance und Glück verstanden, sondern häufig auch als eine „verordnete Notwendigkeit", die einen von der „wirklich wichtigen Arbeit" fernhält.
Aus missiologischer Perspektive möchte ich mit einigen Gedanken über den „Lehrbefehl im Missionsbefehl" die Diskussion um „lifelong learning" ergänzen.
Jesus sagt zu seinen Jüngern am Ende des Matthäusevangeliums:
„Gehet hin, machet zu Jüngern alle Völker – und lehret sie alles zu halten, was ich euch befohlen habe" (Mt.28,20).
„lifelong learning" als Ausdruck der Hoffnung
Jesus hat seine Jünger zu einem letzten Treffen zusammen gerufen (V16). Jünger sein bedeutet: „Lehrling" werden, ein Lernender sein, in einen Prozess des Lernens eintreten.
Mit dem sogenannten Missionsbefehl entlässt Jesus seine Jünger am Ende der gemeinsamen Zeit auf der Erde nicht aus dem Prozess des Lernens. Sie sind und bleiben Jünger, Lernende. Der Auftrag: „Geht zu den Völkern, ladet Menschen ein Lernende zu werden" bedeutet eben nicht, dass „Petrus-Lerner", „Matthäus-Lerner" oder „Johannes-Lerner" herangebildet werden. Sondern egal aus welchem Volk, egal aus welcher Kultur: sie alle sollen Jesus-Lerner, Jesus Jünger werden.
Denn nach dem Neuen Testament bedeutet „Jünger sein": von einem Lehrer unterrichtet zu werden und wie dieser Lehrer zu werden. Ein Jünger Jesu ist einer, der von Jesus unterricht wird – und wie Jesus werden will.
Jesus gibt dieses Ausbildungsziel vor, wenn er in Lukas 6, 40 sagt: „Wenn der Jünger ausgelernt hat, wir er wie sein Lehrer sein"
Solch ein Bildungsziel liegt „Meilen weit weg" von unserer modernen Bildungsvorstellung:
Ausgelernt hat einer, der alles kann oder weiß, um die Prüfung zu meistern. In der Prüfung wird nicht gefragt: „Bist du jetzt wie dein Lehrer?" Eine erschreckende Vorstellung für viele Schüler/Studenten. Und selbst viele Lehrende würden solch einen Gedanken gerne von sich weisen.
Jesus gibt aber nicht das Bildungsziel aus: der Lernende wird alles wissen, was der Lehrer auch weiß, alles können, was der Lehrer auch kann. Sein Bildungsideal lautet: „sein wie der Lehrer!"
Paulus spricht später von der „Umgestaltung in das Bild Christi" (2.Ko.3,18). Hat ein Christ, selbst einer mit ausgeprägter Lehrgabe, diesen Umgestaltungsprozess schon längst abgeschlossen?
Jeder Christ war, ist und bleibt doch ein Lernender, nicht wahr?!
Lebenslanges lernen.
Und manches Mal ist es so bitter und erschreckend, wenn wir wieder zum Grundlagen- ABC zurückkommen müssen. Die „basics" (Neudeutsch) wieder üben.
Einerseits ist es erschreckend, wenn wir merken, wie schwer wir uns tun mit dem lernen. Andererseits bedeutet lebenslanges Lernen für uns als Christen auch: da tut sich noch was in meinem Leben, „da geht noch was", wie Jugendliche heute sagen. Ich will und darf noch mehr dem „Bild Christi" ähnlich werden.
Immer noch Lernenden zu sein bedeutet: ER hat noch Hoffnung für mich. Lifelong learning – für uns Christen ein Ausdruck der Hoffnung! Gemeinden, Hauskreise, Missionsteam, Theologische Ausbildungsstätten – überall „Lehr- und Lerngemeinschaften" – mit und auf Hoffnung hin.
Ob solch ein Gedanke uns Mut macht? Gehen wir das „Lifelong Learning" im eigenen Leben und in unseren Arbeitszusammenhängen positiv an.
Euer, Ihr
Traugott Hopp
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