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Den iro-schottischen Missionaren auf der Spur

"Grüß Gott!" – Zumindest in Süddeutschland ein verbreiteter Gruß, an
den man sich gewöhnt hat. Ein Großteil der Menschen ist damit
aufgewachsen und gebraucht ihn, auch wenn sie dabei nicht immer Gott
im Sinn haben.

Das haben die irischen Missionare mitgebracht: „Dia dit" oder in
einem anderen Dialekt „Dia gitsch": Gott sei mit dir! Und sie wollten
bei den Germanen eine Form dieses Segenswunsches finden, der zu der
Kultur passt, und so haben sie uns ins Süddeutschland „Grüß Gott" als
Bestandteil der vom Christentum geprägten Kultur hinterlassen: Gott
möge dich grüßen, dir begegnen, dich anrühren mit seinem Segen,
seiner Zuwendung, seiner Gnade.

Ich bin dann mal weg… So locker haben das die iroschottischen
Missionare nicht sagen können. Denn sie hatten keinen Plan B: wenn es
nicht klappt mit der Pilgerrute, wenn der Rucksack zu schwer, die
Blasen an den Füßen zu groß, die Nachtquartiere zu unbequem
sind. "Dann lass ich mich vom Taxi abholen oder gleich ausfliegen,
und bin morgen schon wieder in meiner gewohnten Umgebung…" So war das
nicht für die keltischen Mönche aus Irland und Schottland. Das war
eine grundsätzliche Entscheidung, das war das große Opfer, das „grüne
Martyrium": Die geliebte Insel, die geliebte grüne Heimat um des
Reiches Gottes willen für immer zu verlassen.

Geben wir ihnen ein paar Namen, Namen die uns überliefert sind, den
Germanen eigentlich fremd, aber manche sind uns vertraut geworden
(von einigen wissen wir nicht einmal genau, ob sie wirklich Iren oder
Schotten waren, oder schon einheimische Schüler der Missionare):
Columban, Fridolin von Säckingen, Gallus – St. Gallen kennen wir
daher, Kilian in Würzburg, Goar und Disibod an Rhein und Nahe, Pirmin
in der Schweiz, Emmeram in Regensburg, Virgilius in Salzburg.

Manche gingen in die Fremde, in die germanische Wildnis, um ihres
eigenen Seelenheiles willen, viele aber gingen in einer bewussten
Entscheidung um des Seelenheiles der wilden Germanen willen. Sie
gingen eher in unwirtliche Gegenden, eher aufs Land – dies passte,
denn die Germanen mochten erst einmal die Städte nicht. Und sie
brachten ein reiches Erbe mit. Wie es Thomas Cahill, eine Ire
schreibt: How the Irish saved Civilization. In den Bibliotheken der
irischen und schottischen Klöster wurden die alten Handschriften
bewahrt, als auf dem Kontinent die Völkerwanderung fast alles
vernichtete. In einem fast beispiellosen Kontextualisierungsprozess
hatte der christliche Glaube die keltische Kultur Irlands und
Schottlands geprägt. Und jetzt brachten sie das alte Wissen der
Christenheit mit und die neue Erfahrung, wie das in einer ganz
fremden Kultur tiefe Wurzeln schlagen und diese ganze Kultur prägen
kann, mit ihren Kreuzen, mit Gebeten und Liedern - im Westen und
Südwesten Deutschlands, in Bayern und der Schweiz und Österreich.

Wie kaum ein anderes Volk haben die Kelten Irlands und Schottlands
die Umgestaltung ihres Fühlens und Denkens durch den christlichen
Glauben erfahren. Und diese Erfahrung haben ihre Missionare uns
gebracht. Haben die Sprache unseres Glaubens und Betens und Singens
verändert und geprägt bis heute. Für äußerliche Dinge konnten sie
sogenannte Lehnwörter gebrauchen, aus fremden Sprachen wie Griechisch
und Latein: Kirche, Glocke, Priester, Bischof, Kloster, Mönch, Kreuz,
segnen, predigen … aber dafür, wie der Glaube an Jesus im Innersten
das Herz prägt und bewegt, dafür mussten einheimische, germanische
Wörter gefunden werden: Gott, Gnade, Glaube, beten, Demut, Seele,
Gewissen, Beichte, Barmherzigkeit. Die keltischen Missionare haben
uns für diese Bezeichnungen des inneren Wesens des christlichen
Glaubens nicht ihre keltischen Wörter gebracht, oder die lateinischen
oder griechischen. "Wenn wir schon in dieser Fremde sein müssen, dann
müssen wir den Germanen auch Germanen werden, und ihnen das
Evangelium in der Sprache ihres Herzens sagen."

Das war ihnen das große Opfer wert: ganz da zu sein; das war ihre
Glaubwürdigkeit, das war ihr Beitrag dazu, dass wir seit 1300 Jahren
ein lebendiges Christsein hier im Südwesten Deutschlands haben: "Dia
dit", haben sie gedacht oder auch gesagt als sie kamen. Daraus wurde –
und wir hören es bis heute, es prägt unsere Kultur bis heute – Gott
rühre dich an mit seinem Segen – Gott grüße dich – grüß Gott!

(nach einer Ansprache von Dr. Klaus Wetzel bei der AWM-
Absolvierungsfeier am 11.10.08)

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