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Was wir kennen – und wen wir kennen

„Alle kannten den Schauspieler, der über Jahre allein auf der Bühne
vor vielen Leuten klassische Texte rezitierte. Seine Aufführungen
wurden jedes mal mit der dramatischen Lesung von Psalm 23 beendet.
Und – jede Nacht ohne Ausnahme – wurde die Menge erneut aufmerksam
und ruhig. Und nach dem dramatischen Ende des Psalms erhob sich
jeweils ein donnernder Applaus voll Dankbarkeit über die Fähigkeit
des Darstellers, diese Verse ins Leben zu bringen.
Eines Nachts jedoch, kurz bevor er wie üblich Psalm 23 rezitieren
wollte, trat ein junger Mann aus dem Publikum vor und bat „Mein Herr,
würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn ich heute Nacht einmal Psalm 23
rezitieren würde?" – Der Schauspieler war von der unüblichen Bitte
überrascht, aber erlaubte es dem jungen Mann doch. Dabei dachte er
über die Unfähigkeit junger Menschen nach, die sich sicher nicht an
seinem Talent messen können.
So begann der junge Mann mit seiner eher gewöhnlichen Stimme den
Vortrag. Die Stille war vergleichbar, aber danach gab es keinen
Applaus. Die Begeisterung fehlte an diesem Abend, aber man konnte
leises Weinen hören.
Die Zuhörer waren so bewegt von dem Vortrag des jungen Mannes, dass
alle Augen voller Tränen waren. Als der Darsteller den großen
Unterschied bemerkte, fragte er den jungen Mann: „Das verstehe ich
nicht. Ich habe jahrelang Psalm 23 vorgetragen. Mein ganzes Leben
habe ich mich ausgebildet und Erfahrungen gesammelt. Mir war es
jedoch niemals möglich meine Zuhörer so zu bewegen, wie ich es heute
Abend erlebt habe. Sag mir, was ist dein Geheimnis?"
Der junge Mann erwiderte zurückhaltend: „Nun mein Herr, sie kennen
den Psalm, aber ich kenne den Hirten."
Wenn zwei selbes tun, ist die Wirkung durchaus unterschiedlich. Was
könnten Missionare von dieser Geschichte lernen? Wie bewegen Sie die
Herzen ihrer Zuhörer?

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